Aktuelles aus der Arbeit des Netzwerks der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Onkologischen Spitzenzentren

Seit dem Jahr 2007 sind Fördergelder von insgesamt 84 Millionen Euro von der Deutschen Krebshilfe in den Aufbau und die Etablierung von mittlerweile 13 Onkologischen Spitzenzentren geflossen. Das gab Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, beim Deutschen Krebskongress in Berlin bekannt. Die geförderten Zentren selbst sind eng miteinander vernetzt. Hierzu trägt insbesondere das bereits 2009 gegründete Netzwerk Onkologischer Spitzenzentren (CCC-Netzwerk) bei.

Vernetzung zur besseren Patientenversorgung und zur Förderung der Forschung
Ziele des Netzwerks sind die Bündelung der Expertise und der Interaktionen der geförderten Onkologischen Spitzenzentren, erläuterte CCC-Sprecher Professor Dr. Christoph von Kalle vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Darüber hinaus sollen Synergien genutzt werden ‒ immer mit dem Ziel der Verbesserung der Versorgung onkologischer Patienten sowie der kliniknahen Krebsforschung.

Mit Hilfe des Netzwerks soll außerdem die Entwicklung von Innovationen und modellhaften Projekten vorangetrieben werden. Außerdem sollen neue Standards und Leitlinien erarbeitet werden, die auch anderen Versorgungseinrichtungen zugänglich gemacht werden, damit flächendeckend alle Krebspatienten davon profitieren. Auch die Erarbeitung gesundheits- und forschungspolitischer Positionen ist ein Ziel des Netzwerks, erläuterte von Kalle. Das Netzwerk arbeitet nach seinen Worten dabei auch eng mit dem Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) zusammen.

Netzwerkbildung auch in die Peripherie
Spezielle Fragestellungen werden im CCC-Netzwerk laut Professor von Kalle in Arbeitsgruppen (AG) erarbeitet, wie der „AG Biobanken“, der „AG Standard Operation Procedures“ (SOP), der „AG Finanzierung der Interdisziplinären Versorgung“ oder der „AG Outreach“. Schwerpunkt der zuletzt genannten Arbeitsgruppe ist die Etablierung und Festigung einer intensiven Zusammenarbeit der Onkologischen Spitzenzentren mit Krankenhäusern sowie niedergelassenen Haus- und Fachärzten in der Region, wie Professor Dr. Christian Brandts vom Universitären Centrum für Tumorerkrankungen Frankfurt/Main darlegte.

Die Zusammenarbeit der Spitzenzentren mit Versorgungseinrichtungen und -strukturen in der Region erfolgt beispielsweise im Rahmen klinischer Studien, in Tumorkonferenzen und zunehmend auch in Tumor-Videokonferenzen, beim Einholen von Zweitmeinungen sowie beim Zugang zu SOPs und Leitlinien. Zum Teil wurden hierzu bereits Kooperationsverträge mit Kliniken und Praxen geschlossen und auch bereits klinische Studien initiiert.

Gerade mit Blick auf notwendige klinische Studien gäbe es, so Professor Dr. Jürgen Wolf vom Centrum für Integrative Onkologie Köln/Bonn, in der Zusammenarbeit der Onkologischen Spitzenzentren mit Versorgungseinrichtungen in der Region „noch viel Luft nach oben“. Zum Thema Studien, insbesondere im Zusammenhang mit der weiteren Implementierung der personalisierten Medizin, stünden die Onkologischen Spitzenzentren generell vor großen Herausforderungen. Als Beispiel nannte Wolf die Durchführung früher „Proof-of-Concept“-Studien mit dem Aufbau von Phase-I-Studien-Plattformen sowie die molekulare Diagnostik mit dem Aufbau einer zentralisierten molekularen Multiplex-Diagnostik-Plattform.

Herr Professor Dr. Carsten Bokemeyer vom Universitären Cancer Center Hamburg wies darauf hin, dass als Folge der umfassenden Leistungsmerkmale der Onkologischen Spitzenzentren erhebliche finanzielle Mehrbelastungen in den Zentren anfielen. Dieses Problem müsse von der Gesundheitspolitik und den Kostenträgern aufgegriffen und gelöst werden. In diesem Zusammenhang hätten die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Krebsgesellschaft auf Empfehlung der „AG Finanzierung der Interdisziplinären Versorgung“ ein Gutachten in Auftrag gegeben. Mit der entsprechenden Erhebung soll der finanzielle Mehraufwand infolge der Mehrleistungen konkret ermittelt werden. Die Fertigstellung des Gutachtens wird Mitte 2016 erwartet.

Förderschwerpunkt „Translationale Onkologie“
Die translationale Krebsforschung ist für die Deutsche Krebshilfe ein wichtiges Kriterium bei der Förderung eines Onkologischen Spitzenzentrums. Neben der Förderung der Spitzenzentren hat die Deutsche Krebshilfe daher ein weiteres Förderschwerpunktprogramm „Translationale Onkologie“ eingerichtet. Damit soll laut Dr. Franz Kohlhuber von der Deutschen Krebshilfe zusätzlich insbesondere die translationale Forschung mit entsprechenden klinischen Studien an den Spitzenzentren gefördert werden.